Forschungsstand 2024

Psychodynamische Therapie
wirkt.

Metaanalysen, randomisierte kontrollierte Studien, Effektstärken — eine Zusammenfassung der aktuellen Evidenz.

298+
RCTs weltweit
g = 0.51–1.24
Effektstärken
4
Diagnosegruppen mit starker Empfehlung

Was die Forschung zeigt

Für vier Diagnosegruppen liegt eine starke Empfehlung als empirisch gestütztes Verfahren vor — nach aktualisierten EST-Kriterien und GRADE-bewertet (Leichsenring et al., 2023, World Psychiatry).

g = 0.58
Depressive Störungen
Mittlere Effektstärke gegenüber allen Kontrollbedingungen (27 RCTs, N = 3.163). Gegenüber Warteliste allein: g = 1.14 (groß). Evidenzqualität: hoch (GRADE).
g = 0.64
Angststörungen
Überlegenheit gegenüber Kontrollbedingungen (14 RCTs, N = 1.073). Kein signifikanter Unterschied zu anderen aktiven Therapien. Evidenzqualität: moderat.
g = 0.63
Persönlichkeitsstörungen
Mittlere Effektstärke bei Kernsymptomen, auch gegenüber aktiven Vergleichsbedingungen (g = 0.65). Evidenzqualität: moderat.
17 RCTs
Somatoforme Störungen
Signifikante Überlegenheit bei somatischen Symptomen über alle Zeiträume. Mindestens ebenso wirksam wie andere Verfahren inkl. KVT. Evidenzqualität: hoch.

Hedges' g im Überblick

Effektstärken aus aktuellen Metaanalysen. Ab g ≥ 0.5 gilt ein Effekt als mittel, ab g ≥ 0.8 als groß.

PDT vs. Kontrollbedingungen
Junge Erwachsene
vs. WL / TAU
g = 1.24
Depression
vs. Warteliste
g = 1.14
STPP Depression
vs. keine Intervention
g = 0.91
Soziale Angst
PDT vs. inaktive Kontrolle
g = 0.77
Angststörungen
vs. Kontrolle
g = 0.64
Persönlichkeits-
störungen
g = 0.63
Somatoforme Stör.
phys. Funktionsfähigkeit
g = 0.58
Depression
vs. aktive Kontrolle
g = 0.51
Direktvergleich PDT vs. KVT
Depression
Differenz PDT – KVT
g = 0.11 n.s.
Angststörungen
Differenz PDT – KVT
g = 0.02 n.s.
00.2 klein0.5 mittel0.8 groß1.2+
PDT vs. Kontrollbedingung
Differenz PDT – KVT (nicht signifikant)

Formal getestete Äquivalenz mit KVT

Bei Depression wurde erstmals ein formaler Äquivalenztest (TOST-Prozedur) durchgeführt. Ergebnis: kein klinisch bedeutsamer Unterschied zwischen manualisierter PDT und KVT unmittelbar nach Behandlungsende.

Smith & Hewitt (2024), Journal of Clinical Psychology · k = 9 RCTs · g = −0.11

Effekte, die nach Therapieende weiter wachsen

Beginn Ende Follow-up PDT — Weiterverbesserung Andere — stabil / Rückgang Symptomreduktion →

Der PDT-spezifische Vorteil

Ein konsistenter Befund über mindestens fünf unabhängige Metaanalysen hinweg: Patient:innen in psychodynamischer Therapie zeigen nach Behandlungsende nicht nur stabile, sondern sich weiter verbessernde Symptomwerte. Dieser Nachhaltigkeitseffekt wird auf die Arbeit an zugrundeliegenden Persönlichkeitsstrukturen, inneren Konflikten und Beziehungsmustern zurückgeführt.

»Die Wahrnehmung, psychodynamische Ansätze hätten keine empirische Grundlage, steht nicht im Einklang mit der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz — und könnte eine selektive Verbreitung von Forschungsergebnissen widerspiegeln.«
— Jonathan Shedler, American Psychologist, 2010

Die wichtigsten Publikationen

Metaanalysen und Reviews in den renommiertesten Fachzeitschriften der Psychiatrie und klinischen Psychologie.

World Psychiatry · 2023

Leichsenring et al. — Umbrella Review

Prä-registrierter Umbrella-Review nach aktualisierten EST-Kriterien. GRADE-bewertet. PDT erhält eine »starke Empfehlung« für vier Diagnosegruppen: Depression, Angst-, Persönlichkeits- und somatoforme Störungen. Hohe Evidenzqualität bei Depression und somatoformen Störungen.

Umbrella Review · starke Empfehlung · IF ≈ 60
J Clinical Psychology · 2024

Smith & Hewitt — Äquivalenz PDT vs. KVT

Erste formale Äquivalenztestung (TOST-Prozedur) für manualisierte PDT und KVT bei diagnostizierter Depression. Statistische Äquivalenz bei Post-Behandlung bestätigt (k = 9 RCTs).

Äquivalenztest · g = −0.11 n.s.
Psychoanalytic Psychotherapy · 2023

Lilliengren — Gesamtübersicht RCTs

Umfassende Bestandsaufnahme aller RCTs zu psychodynamischer Psychotherapie. 298 Studien identifiziert, darunter 86 Direktvergleiche PDT vs. KVT. In 59 davon: keine signifikanten Unterschiede.

298 RCTs · 86 Vergleiche mit KVT
American Psychologist · 2010

Shedler — Efficacy of PDT

Wegweisender Review mit über 1.200 Zitationen. Effektstärken vergleichbar mit KVT. Patient:innen verbessern sich nach Therapieende weiter — ein Befund, der seither mehrfach repliziert wurde.

1.266 Zitationen · Landmark-Paper
ScienceDirect · 2023

STPP bei Depression — Metaanalyse

31 RCTs. Psychodynamische Kurzzeittherapie zeigt eine große Effektstärke (g = 0.91) bei depressiven Symptomen gegenüber unstrukturierten Behandlungen.

g = 0.91 · 31 RCTs
Psychother Psychosom · 2020

Abbass et al. — STPP bei somatoformen Störungen

Metaanalyse von 17 RCTs. STPP zeigt signifikante Überlegenheit bei somatischen Symptomen über alle Zeiträume. Mindestens ebenso wirksam wie andere Verfahren inkl. KVT.

17 RCTs · anhaltende Effekte
Frontiers in Psychology · 2024

Trotta et al. — Junge Erwachsene

22 Studien (14 RCTs). Große Effektstärke gegenüber Warteliste/TAU (g = 1.24). Kein signifikanter Unterschied zu anderen aktiven Therapieformen.

g = 1.24 vs. Kontrolle · 14 RCTs

Zwei Jahrzehnte wachsende Evidenz

2001–2005
Erste systematische Metaanalysen
Leichsenring und Leibing legen erste Metaanalysen vor, die vergleichbare Effektstärken von PDT und KVT zeigen.
2010
Shedler in American Psychologist
Der einflussreichste Einzelartikel zur PDT-Evidenz. Über 1.200 Zitationen. Macht den Nachhaltigkeitseffekt empirisch sichtbar.
2015
Lancet Psychiatry: EBM-Kriterien erfüllt
Leichsenring et al. wenden aktualisierte Kriterien evidenzbasierter Medizin auf PDT an. Ergebnis: PDT erfüllt die Anforderungen.
2023
World Psychiatry: Umbrella Review
Das methodisch stärkste Review bisher. Prä-registriert, GRADE-bewertet. »Starke Empfehlung« für vier Diagnosegruppen. Publiziert im Journal mit dem höchsten Impact Factor der Psychiatrie (≈ 60).
2023
Lilliengren: 298 RCTs identifiziert
Erste umfassende Bestandsaufnahme aller randomisierten kontrollierten Studien zu psychodynamischer Therapie.
2024
Formaler Äquivalenztest PDT = KVT
Smith & Hewitt legen die erste TOST-Analyse vor. Bei Depression: kein klinisch bedeutsamer Unterschied zwischen manualisierter PDT und KVT.